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Dass Kunst lebt, weiß man ja. Manchmal muss
sie aber auch ziemlich hart an sich arbeiten.
Zumindest dann, wenn die Performerinnen Ines Dunemann
und Clara Wicke wanderdünenhaft in ein Laken
eingenäht sind, das die Konturen der Körper
wie beseelte Sarkophage zum Leben erweckt, bis
sie sich in einer Vitalitätswoge ineinander
verkeilen und so zwei lange Stunden auf dem Boden
der Gewölbegalerie des Kunstvereins Walpodenstraße
als menschliches Strandgut verharren. Das so im
Faltenwurf erstarrte Packeisbündel korrespondiert
mit den großformatigen Mischtechnik-Kompositionen
Silke Hermanns, die aus einem nachtschwarzen Hintergrund
mit weißen Buntstift-Fäden Selbstporträts
zu geheimnisvoll suggestiven Seelenlandschaften
illuminiert. Das Ich als Medusenhaupt, aus dem
Tentakel, Tracheen, Luftröhren lodern. Eher
witzig verrätselt und mit Pop-Art-Gestus
das Großbild „Meine Katzen sollen
unsere Millionen erben", in dessen Zentrum
der Schauspieler Jude Law sonnenblond charmiert,
während ein Kind im Schatten Joghurt löffelt.
Wie aus weißer Steinwolle gesplittert ein
Triptychon, durch dessen Schwärze Leopardenköpfe
und Planeten wandern, während Frauenbilder
die Symbolebenen wie Röntgenfotografien durchleuchten.
Kompositorische Strenge und skizzenhafte Leichtigkeit
wohnen in Katrin Graulichs Malerei. Es sind botanische,
biologische Studien, wie sie auch die Enzyklopädisten
und Naturforscher des 18. Jahrhunderts mit großer
Detailgenauigkeit angefertigt haben könnten.
Die Pfauenköpfe, Vögel, Gliedmaßen,
Reptilien ruhen in dezenter Farbigkeit auf der
Fläche, in einem fragilen Behauptungswillen
gegen das Verschwinden in der Zeit. Am Ende bleibt
nur noch die leere Hülle - ein lehmfarbener
Miederpanzer mit bauschenden Rockschößen
wie ein versteinerter Torso, aus dem der Körper
gefahren ist. Autor: Michael Jacobs (C) Allgemeine
Zeitung Mainz / Main
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